Die bewegte Geschichte des Ahorns zu Trun
Der Ahorn zu Trun hat in Graubündens Geschichte
eine besondere Bedeutung.
Im März 1424 wurde unter dem Vorfahren des
jetzigen Bergahorns feierlich der Graue Bund beschworen.
Die herrschenden Herren taten sich mit dem Volk
zusammen, um bessere Verhältnisse im Rechtswesen
und auf wirtschaftlichem Gebiet zu schaffen. So
war Trun fast über vier Jahrhunderte Hauptort
des Bundes wo sich jährlich die Abgeordneten
der Herren und des Volkes zu Wahlen, politischen
und gerichtlichen Geschäften trafen. Mit dem
Franzoseneinfall 1798/99 wurden die alten rätischen
Bünde ausgelöscht. Im Frühling 1814
versammelten sich nochmals die Abgeordneten unter
dem Ahorn im Klosterhof zu Trun um den neuen Grauen
Bund weiterzuführen. Es war aber die letzte
Tagsatzung in dieser Form. Noch im selben Jahr
wurde diese von der neuen Kantonsverfassung abgelöst.
Über all die Jahrhunderte wurde der historische
Baum immer in Ehren gehalten und gepfl egt. 1750
besass er einen Umfang von 16 m. Im Sommer 1870
wurde der beinahe 500jährige, morsche Bergahorn
durch einen Sturm geknickt. Der Strunk des Baumes
wurde 20 Jahre später, anlässlich eines
Sängerfestes in feierlichem Zuge in den Sitzungssaal
des grossen Bundes überführt. Noch heute
kann er im Museum Sursilvan in Trun besichtigt
werden.
Vorsorglich hatte man bereits Jahre im Voraus aus
dessen Samen ein Bäumchen gezogen. Dieses
wuchs neben dem alten Baum im Ehrengarten bei der
St. Anna-Kapelle zu einem stattlichen, heute über
hundertfünfzigjährigen Baum heran.
Heute erinnern nicht nur die Gemälde an der
St. Anna-Kapelle an die historische Bedeutung des
Baumes, auch im Ortswappen von Trun ist er verewigt.
Ruth Bühlmann